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Sternschnuppen, die Persidennächte sind da

„Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.“

Christian Friedrich Hebbel – der deutsche Dichter des poetischen Realismus bringt es auf den Punkt. Wer Sternschnuppen sehen will, muss in den Himmel schauen. Am Besten im Liegen und etwas außerhalb der Stadt auf freiem Feld. Am kommenden Sonntag, ein Tag nach Neumond, wenn hoffentlich der Himmel sternenklar ist, können Romantiker, Naturliebhaber und Astronomiebegeisterte wieder Sternschnuppen in großer Zahl vom Himmel regnen sehen. Der schönste Meteorstrom des Jahres bringt alljährlich durchschnittlich bis zu 110 Sternschnuppen pro Stunde hervor, die auch ohne aufwändige optische Hilfsmittel – mit bloßem Auge beobachtet werden können.

nsche und heilige Tränen

Manch einer folgt dem alten Aberglauben und wünscht sich beim Aufblitzen einer Sternschnuppe etwas – natürlich ohne den Wunsch zu verraten. Beim Beobachten der Perseiden kann man sogar eine ganze Wunschliste mitbringen.

Bleiben wir zunächst bei den Mythen. Die Perseidenströme werden oft auch als Laurentiustränen bezeichnet. Der Legende nach soll der römische Märtyrer und Heilige  Kirchenschatz an die Armen verteilt haben anstatt ihn wie gefordert dem Kaiser zu überbringen, der darüber so zornig wurde, dass er Laurentius am
10. August 258 n. Chr.  auf glühendem Rost zu Tode martern ließ. Die Tränen, die er dabei vergoss, erscheinen seitdem um diesen Tag am Himmel. Sein qualvoller Tod auf dem Feuer machte Laurentius später zum Schutzheiligen der Köche und Grillmeister.

Wie entstehen die Perseiden tatsächlich?

Nicht minder spannend ist die Entstehungsgeschichte der alljährlich wiederkehrenden Meteorströme Mitte August.  Das Wort Meteor bedeutet im Griechischen „Himmels- oder Lufterscheinung“. Auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne durchläuft unserer Erde die Bahn diverser Kometen, die einen Schweif aus  Auflösungsteilchen nach sich ziehen. Wenn eines dieser Teilchen, die Meteoriden, in die Erdatmosphäre eintauchen und dabei verglühen, leuchtet von der Erde aus gesehen ein Meteor oder eben eine Sternschuppe am Himmel auf. Wir sehen dabei  die zum Glühen gebrachte Luft und nicht das Teilchen selbst, die winzig klein sind, aber mit bis zu 215.000 km/h (oder 59 km/s) rasend schnell. Durch ihre Geschwindigkeit erhitzen und ionisieren sie die Luftmoleküle, die dann bei der sogenannten Rekombination Licht aussenden und kurz aufblitzen. Obwohl die meisten dieser kosmischen Kleinkörper vollständig verglühen, trifft dennoch mal ein Rest auf der Erde auf. Diese Teile nennt man Meteoriten.

Auf ihrer Bahn um die Sonne durchquert die Erde jedes Jahr die „Schweifbahn“ des Kometen 109P/Swift-Tuttle, dabei treten die Auflösungsteilchen des Schweifs in die Erdatmosphäre ein – es sind Sternschnuppe zu sehen.

Zu bestimmten Zeiten im Jahr kommt es zu häufigem Zusammentreffen der Erdatmosphäre mit Kometenschweifteilchen, bei denen dann die Zahl der Meteore zunimmt und sich in Sternschnuppenschwärmen, Meteorschauern oder -strömen am Himmel zeigen. Bezeichnet werden die Ströme nach der Anzahl der Meteore. Die bekanntesten sind neben den Perseiden im August die Leoniden im November oder die Geminiden im Dezember. Der Name leitet sich vom sogenannten Radianten des Stroms ab. Das ist der Punkt, von dem die Partikelschwärme von der Erde aus gesehen scheinbar ausgehen. Der Effekt ähnelt dem Bild, das man als Autofahrer hat, wenn man durch ein Schneegestöber fährt. Der Meteorstrom wird nach dem Sternbild benannt, in dem dieser Radiant liegt, also der Löwe bei den Leoniden, die Zwillinge bei den Geminiden und bei den Perseiden ist das das Sternbild Perseus. Aber der tatsächliche Entstehungsort der Perseiden ist der Komet 109P/Swift-Tuttle, dessen Bahn die Erde während immer um den 12. August kreuzt. Die amerikanischen Astronomen Swift und Tuttle hatten den Kometen 1862 entdeckt.

Wann und wo kann man Perseiden sehen

Vom 17. Juli bis 24. August  können Perseiden beobachtet werden, das Maximum wird in der Nacht vom 12. auf den 13. August erreicht. Die beste Beobachtungszeit ist zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens, je später desto besser, denn je höher der Radiant steigt, umso mehr wird man sehen. Dann den Blick nach Nordosten richten auf das Sternbild Perseus und das Schauspiel kann beginnen. Bei günstigen Beobachtungsbedingungen ist die Sichtbarkeitsrate 110 Schnuppen  pro Stunde, mitzählen lohnt sich!

Die Perseiden scheinen ihr „Entstehungszentrum“ im Sternbild Perseus zu haben. Man spricht vom sogenannten Radianten.

Wer die Perseidenmaximum verpasst hat, kann aber sein Glück bis zum 15. August auch noch mit den Alpha-Capricorniden aus dem Sternbild Steinbock versuchen. Ihre seit Juli aktiven Meteore sind zwar deutlich langsamer, bescheren uns aber gelegentlich einzelne besonders helle Sternschnuppen. Bis 20. August gibt es dann auch noch die schnelleren Südlichen-Delta-Aquariden mit dem Radianten Wassermann und stündlich ein bis zwei Meteoren in der zweiten Nachthälfte.

Perseiden fotografieren

Um den einen oder anderen Meteoren fotografisch festzuhalten benötigt man ein bisschen Vorbereitung und Geduld und auch einen geeigneten Fotoapparat mit Stativ. An der Kamera sollten Belichtungszeit, Empfindlichkeit (ISO) und Blende frei einstellbar sein. Das ist in der Regel bis System- oder Spiegelreflexkameras der Fall. Empfehlenswert ist die Verwendung eines Objektivs mit kurzer  Brennweite/Weitwinkel, ein mittlerer bis hoher ISO-Wert (800 – 3200) und eine lange Belichtungszeit von mindestens 25 Sekunden oder mehr. Die Blende sollte möglichst niedrig eingestellt werden, damit viel Licht durch das Objektiv auf den Chip gelangt. Natürlich sollte die Kamera auf einem Stativ stehen und um Verwackler zu vermeiden, per Zeit- oder  Fernauslöser bedient werden. Um ein bisschen zu üben und ein Gefühl für die Bilder zu bekommen, kann man die Abende vorher nutzen.

Nicht jeder Strich oder Streifen auf einer langzeitbelichteten Aufnahme ist eine Perseide…

Wer montags früh raus muss und nicht so lange wach bleiben kann, dem seien die Geminiden im Dezember empfohlen, da wird es bereits früher dunkel.

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