Dieser Schauer ist willkommen: der „Perseidenregen“ erreicht um den 12. August seinen Höhepunkt

„Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.“

Christian Friedrich Hebbel – der deutsche Dichter des poetischen Realismus bringt es auf den Punkt. Wer Sternschnuppen sehen will, muss in den Himmel schauen. Am Besten im Liegen und etwas außerhalb der Stadt auf freiem Feld. Am kommenden Freitag, wenn hoffentlich der Himmel sternenklar ist, können Romantiker, Naturliebhaber und Astronomiebegeisterte wieder Sternschnuppen in großer Zahl vom Himmel regnen sehen. Der alljährliche Perseiden-Meteorschauer mit durchschnittlich 120 Sternschnuppen pro Stunde ist ein Himmelsereignis, das ohne aufwändige optische Hilfsmittel beobachtet werden kann.

Manch einer folgt dem alten Aberglauben und wünscht sich beim Aufblitzen einer Sternschnuppe etwas – natürlich ohne den Wunsch zu verraten. Beim Beobachten der Perseiden kann man eine ganze Wunschliste abarbeiten. Bleiben wir zunächst bei den Mythen. Die Sternschnuppenschauer im August sind auch als Laurentiustränen bekannt. Der römische Märtyrer und Heilige soll der Legende nach den ihm anvertrauten Kirchenschatz an die Armen verteilt haben anstatt ihn wie gefordert dem Kaiser zu übergeben. Wegen dieser Provokation ließ der Kaiser ihn am 10. August 258 n. Chr.  auf glühendem Rost zu Tode martern. Sein qualvoller Feuertod hat Laurentius zum Schutzpatron der Köche und Grillmeister gemacht. Die Tränen, die er dabei vergoss, erscheinen seitdem um diesen Tag am Himmel.

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Perseide im Jahr 2015 neben dem Sternbild Orion um 303:45 Uhr über Umbrien (Umbria, TR, Italia)

Nicht so martialisch, aber umso faszinierender ist die Entstehungsgeschichte der Perseiden aus astronomischer Sicht:  sie sind einer der bekanntesten alljährlich wiederkehrenden Meteorströme. Das Wort Meteor stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Himmels- oder Lufterscheinung“. Unsere Erde durchläuft auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne die Bahn diverser Kometen, die ihre Auflösungsprodukte als „Schweif“ nach sich ziehen. Tritt eines dieser Auflösungsteilchen, Meteoriden genannt, in die Erdatmosphäre ein und verglüht, sehen wir einen Meteor oder eben eine Sternschuppe am Himmel aufleuchten. Genau genommen sehen wir die zum Glühen gebrachte Luft und nicht das Teilchen selbst, diese sind viel zu klein, aber mit bis zu 214.000 km/h sehr schnell. Bei dieser Geschwindigkeit erhitzen und ionisieren sie die Luftmoleküle, die dann bei der sogenannten Rekombination Licht aussenden und kurz aufblitzen. Meist verglühen diese kosmischen Kleinkörper vollständig. Trifft dennoch mal ein Rest auf der Erde auf, nennt man ihn Meteorit.

Einzelne Sternschnuppen kann man zu jeder Jahreszeit sehen. Zu bestimmten Zeiten im Jahr aber kommt es zu häufigem Zusammentreffen der Erdatmosphäre mit Kometenschweifteilchen, bei denen dann die Zahl der Meteore zunimmt und sich in Sternschnuppenschwärmen, Meteorschauern oder -strömen am Himmel zeigen. Die Bezeichnung richtet sich nach der Anzahl der Meteore. Neben den bekannten Perseiden im August gibt es z.B. noch die Leoniden im November oder die Geminiden im Dezember. Der Name des Stroms leitet sich vom sogenannen Radianten ab. Das ist der Punkt, von dem die Partikelschwärme von der Erde aus gesehen scheinbar ausgehen. Der Effekt ähnelt dem Bild, das man als Autofahrer hat, wenn man durch ein Schneegestöber fährt. Der Meteorstrom wird nach dem Sternbild benannt, in dem dieser Radiant liegt. Bei den Leoniden ist das der Löwe, bei den Geminiden sind es die Zwillinge und bei den Perseiden ist das das Sternbild Perseus. Der tatsächliche Entstehungsort der Perseiden ist der Komet 109P/Swift-Tuttle, dessen Bahn die Erde während ihres Sonnenumlaufs immer um den 12. August trifft. Die amerikanischen Astronomen Swift und Tuttle hatten den Kometen 1862 entdeckt.

Grafik_Meteorschauer
Darstellung der Enstehung eines Meteorschauers (Sternschnuppen)

Dieses Jahr sind bei optimaler Sicht und Dunkelheit besonders viele Perseiden zu sehen, es könnten bis zu 150 pro Stunde werden. Der Jupiter zieht mit seiner Gravitationskraft alle 12 Jahre die Staubteilchen etwas näher in Richtung Erde. Am Freitagmorgen zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang, wenn der Radiant im Sternbild Perseus im Zenit steht und der zunehmende Mond schon untergegangen ist, sind die Beobachtungsbedingungen am günstigsten. Dann muss man nur noch nach Nordosten zum Sternbild Perseus blicken und das Schauspiel kann beginnen.

Viel Spaß und viel Erfolg beim Beobachten und natürlich gutes Wetter!

Herzliche Grüße
Marco Sproviero
www.munichspace.de

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